Doppeltaufe Rodau / Mühlenau in Komarno
THB Deutsche Schiffahrts-Zeitung (Nr.97)




Die Reederei Erwin Strahlmann in Marne bei Brunsbüttel hat sich nur 15 Jahre nach der Infahrtsetzung ihres später in "Bounder" umbenannten ersten Schiffes "Borsteler Berg" (Damen Combi Coaster mit 3223 tdw) zur größten europäischen Küstenschiffsreederei mit heute schon mehr als 50 und in Kürze sogar über 60 Einheiten entwickelt. Am 15. Mai konnten Erwin Strahlmann (Foto) und seine Familie mit fast 100 Gästen aus Deutschland und der Slowakei bei der Slowakischen Schiffswerft SLK Bratislava in Komarno an der Donau nun erstmals eine Neubau-Doppeltaufe feiern.
Nachdem man bekanntlich im Februar und Juli 2003 schon die ursprünglich für einen anderen deutschen Reeder bestimmt gewesenen "Rhein"-Typschiffe "Eider", "Pinnau" und "Krückau" in Komarno übernehmen konnte, wurden nun die Schiffe zwei und drei aus einer Serie von zunächst weiteren acht dort bis September 2005 für Strahlmann entstehenden 3680-Tonnern dieses bewährten Serientyps in Anwesenheit des neuen Werftvorstandes van der Stelt und des langjährigen Handelsdirektors Roman Skala durch Ute Strahlmann, die Ehefrau des Reeders, und Gabriela Meyer, eine Freundin der Familie, auf die Namen "Rodau" bzw. "Mühlenau" getauft.
Die neue "Rhein"-Serie, die sich von den Vorgängern durch eine feste Brücke und den als Hauptantrieb gewählten neuen MaK-Motoren-typ 8M20 unterscheidet, wurde mit der am 18. Mai in Constantza zur Ablieferung gebrachten und durch die zurzeit 31 Strahlmann-Kümos befrachtende Hamburger Maklerfirma Meer-pahl & Meyer bereits für eine Ladung Ammoni-umnitrat von Varna nach Alicante geschlossenen "Arlau" (Bau-Nr. 2952) eingeleitet. Während der nach einem Wasserlauf im Kulturraum Bongsieler Kanal benannte Folgebau "Rodau" (2954) am 31. Mai die Überführungsreise nach Constantza antreten und dort voraussichtlich fristgerecht am 15. Juni übergeben werden kann, soll die zur Lieferung am 15. September vorgesehene, den Namen eines Flusses im Herzen Schleswig-Holsteins tragende "Mühlenau" (2955) am 31. Mai aus der Halle zu Wasser gebracht werden. Im kommenden Jahr wird die SLKB die typgleichen Frachter "Norderau" (2956) am 15.Februar,"Sü-derau" (2957) am 15.April,"0stenau" (2958) am 30. Mai,"Beckau" (2959) am 30. Juli und "Bramau" (2960) am 15. September an Strahlmann übergeben, der im Jahre 2006 noch weitere Neubauprojekte mit dieser Werft realisieren wird.
Zu erwähnen ist schließlich auch noch der ursprünglich von dem Niederländer Marcu Vedder bestellte und dann schon bald nach seiner Kiellegung "eingemottete" SLKB-Neubau Nr. 1905 vom Typ "Leda" (ca. 3500 tdw), der nun seit Mitte März im Auftrag der Reederei Strahlmann weitergebaut wird und am 15. Dezember d. J. in Constantza unter dem Namen "Marne" abgeliefert werden soll.
Parallel zu diesem beachtlichen Neubauprogramm verjüngt Erwin Strahlmann auch die Second-Hand-Flotte. Von der Vertom Scheepvaart en Handelmaatschappij (Rotterdam) hat seine Reederei jetzt vier 1989/90 für Rechnung der Portline auf der portugiesischen Vianayard entstandene und vom Herbst 1993 bis zum ersten Quartal 1995 schon einmal kurzfristig in deutschem Besitz (Briese, Leer) gewesene 3400-Tonner erworben. Es handelt sich um die 87 m langen und 13 m breiten Singledecker "Lady Clara", "Lady Greta", "Lady Linda" und "Lady Lisa", die innerhalb der nächsten zwei Wochen geliefert und von Zypern nach Antigua umgeflaggt werden. "Lady Clara" soll heute in Antwerpen übernommen, aber erst nach Ablauf einer einjährigen Vertom-Rückcharter in "Nordertor" umbenannt und dann durch Echoship (Svendborg) in der freien Fahrt befrachtet werden. Auch die in der kommenden Woche in einem Kontinenthafen zu übergebende "Lady Lisa" wird zunächst ein Jahr durch Vertom weiter beschäftigt, bevor sie als "Krempertor" zu Echoship in die Befrachtung geht.
"Holstentor" bzw. "Burgtor" lauten die neuen Namen von "Lady Greta" und "Lady Linda", die Strahlmann ohne Rückcharter-Vereinbarung bis Ende Mai in Szczecin übernimmt und nach Erneuerung der Klasse bei der Gryfia-Werft durch Echoship in der freien Fahrt befrachten lässt
Ins Ausland verkauft wurde dieser Tage eines der ältesten Strahlmann-Kümos. Eine von der Firma BEST-E-Shipping (Istanbul) kontrollierte Gesellschaft übernahm am 17. Mai in Istanbul die 1977 in Duisburg auf der Ruhrorter Werft entstandene "Anjola" (2143 tdw) und brachte sie als "Argo" unter die Flagge der Niederländischen Antillen. Neues Einsatzgebiet dieses Schiffes ist das Schwarze Meer und die türkische Ägäis- und Mittelmeerküste.
