Der Mann aus Marne und seine 51 Schiffe Frachter sind die Leidenschaft von Erwin Strahlmann

Kieler Nachrichten

 [2004-01-07]
<< zurück zu Liste

Marne - Der Mann liebt Schiffe. 1989 kaufte Erwin Strahlmann zusammen mit einem Partner den Küstenfrachter "Borsteler Berg", 15 Jahre später hat Reeder aus Marne sein 51. Schiff in Dienst gestellt. Und der Flottenausbau geht weiter.

Bei der slowakischen Werft SLK Bratislawa sind insgesamt acht Neubauten bestellt, die bis 2005 in Fahrt kommen sollen. Die Zahl 60 ist für den 45-jährigen Reeder "nicht mehr unerreichbar". Den Überblick verliert Erwin Strahlmann nie. Er kennt alle seine Schiffe und weiß auch wo sie sich in etwa befinden. Das wichtigste Hilfsmittel ist dabei das Reederei-Mobiltelefon. "Das ist Handy nie aus", erklärt er.

Auf diesem Wege kommen auch die besten Angebote rein. Als ihm etwa im Dezember der Küstenfrachter "Simone" angeboten wurde, zögerte er nicht lange und kaufte den 2300-Tonner von der Thekla Schepers GmbH aus Haren an der Ems. Inzwischen wurde der 21 Jahre alte Frachter auf der Gryfia Werft in Stettin komplett überholt und in "Piper" umgetauft. Die Namen mit der Endung "er" sind typisch für die Flotte von Strahlmann. Von dieser Tradition wich der Reeder erst ab, als er vergangenen Jahr erstmals seine Politik des "Second-Hand-Einkaufs" verließ. Nachdem Strahlmann 13 Jahre lang stets gebrauchte Schiffe von bekannten Kümo-Reedern gekauft hatte, kamen 2003 erstmals drei Neubauten zur Flotte. Sie ließ er auf die Namen "Eider", "Rinnau" und "Krückau" taufen - Namen mit einer starken Bindung an Schleswig-Holstein. Und auch bei den nächsten drei Neubauten, die im März und Mai getauft werden sollen, bleibt das so. Sie werden "Arlau", "Rodau" und "Mühlau" heißen.

Die unter der "ES"-Flagge fahrenden 51 Schiffe betreut ein inzwischen 30-köpfiges Team von Marne aus. Weite Reisen sind dabei nicht nötig. Die Schiffe fahren fast alle in der Nord- und Ostsee, nur hin und wieder mal bis ins Mittelmeer''. erzählt der Reeder. Stammkunde sind seine Schiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal. "Im vergangenen Jahr hatten wir 500 Kanalpassagen" so Strahlmann. Um die Ladung kümmert sich Strahlmann allerdings nicht, diese Aufgabe hat er Maklerfirmen und so genannten Befrachtern übergeben, die in Hamburg oder Dänemark sitzen. Die Schiffe von Erwin Strahlmann befördern Getreide, Dünger, Kohlen oder Holz.

Ausgelagert hat der Reeder auch die Personalfrage. Mehr als 500 überwiegend ausländische Seeleute fahren bereits unter der Strahlmann-Flagge. Eine Agentur in Polen arbeitet mit ihm eng bei der Zusammenstellung der Crews zusammen. Die Suche nach qualifiziertem Nachwuchs in Deutschland hat er bereits aufgeben. Da seine Schiffe im internationalen Wettbewerb fahren, muss er auch seine Ausgaben für die Seemannsheuer dem Wettbewerb anpassen. Und der wird täglich härter.

Frank Behling

Zum Original-Artikel (Scan)